Boom bei Hörgeräten durch alternde Babyboomer erwartet. Eine Civey-Studie im Auftrag von Alteos zeigt: Hörakustiker werden künftig stärker als Coach gefragt sein, der Bedienung und Nutzung von Hörgeräten verständlich macht.
München, 01.04.2026 – Der Markt für Hörgeräte wächst: In Deutschland tragen derzeit rund 3,7 Millionen Menschen ein Hörgerät. Da zunehmend Babyboomer in in das Versorgungsalter kommen, wird diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich steigen. Branchenprognosen gehen bis 2031 von einem Absatz von bis zu zwei Millionen Hörgeräten pro Jahr aus.
Doch der wachsende Bedarf macht die Versorgung nicht automatisch einfacher. Wer Babyboomer nur als kaufkräftige Zielgruppe betrachtet, übersieht eine entscheidende Entwicklung: Mit der steigenden Nachfrage wachsen auch die Anforderungen an Beratung, Nachsorge und Service. Für Hörakustiker bedeutet das zugleich Chance und Herausforderung.
Eine aktuelle, repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Alteos, der AXA-Tochter für digitale Versicherungslösungen, zeigt: Entscheidend wird sein, die Erwartungen der Generation besser zu verstehen. Für die Untersuchung wurden zwischen dem 21. und 28. August 2025 insgesamt 2.500 Bundesbürger im Alter von 55 bis 70 Jahren befragt.
29,5 % der Babyboomer schreiben einem modernen Hörakustiker die Rolle eines Coachs zu, der die Bedienung des Hörgeräts für sie einfach und sicher macht. Auf digitale Unterstützung setzt ein kleinerer Teil der Befragten: 13,4 % wünschen sich Hilfe aus der Ferne (remote) ohne Termin, 8,2 % sehen im modernen Hörakustiker ihren digitalen Partner, der Geräte und Apps vernetzt, und 6,9 % betrachten ihn als Vertrauensanker in puncto Datenschutz und Aufklärung. Als Trend-Scout, der neue Funktionen frühzeitig präsentiert, sehen ihn nur 5,3 % der Befragten.
Mit Blick auf ihr Technikverständnis sowie ihre Aufgeschlossenheit gegenüber technischen Lösungen ist die Generation der Babyboomer durchaus heterogen. Mehr als die Hälfte der Befragten (51,4 %) vertritt die Auffassung: „Technische Geräte sollen vor allem funktionieren, Extras brauche ich nicht.“ Diese Gruppe bezeichnet die Studie als „Digital Minimalists“. Gut ein Viertel (28,2 %) zeigt sich dagegen besonders technikaffin und stimmt der Aussage zu: „Ich finde technische Möglichkeiten faszinierend und probiere gern etwas aus.“ Diese Gruppe wird als „Silver Geeks“ bezeichnet. Daneben wurden zwei weitere Gruppen identifiziert: „Tech Stressed“, die sich von der Geschwindigkeit der technischen Entwicklung überfordert fühlen, sowie „Offliner“, die digitale Angebote weitgehend ablehnen.
Die Erwartungen an den Service von Hörakustikern unterscheiden sich entsprechend deutlich. 41,1 % der Digital Minimalists bevorzugen persönlichen Kontakt zum Experten, nur 8,6 % eine rein digitale Kommunikation und 40,1 % eine Mischung aus beiden. Bei den Silver Geeks ist das Bild anders: Für 21,1 % steht die persönliche Beratung im Vordergrund, während 21,6 % ein rein digitales Angebot ausreichend finden. Die Mehrheit (50,2 %) bevorzugt jedoch eine hybride Lösung aus persönlichem Kontakt und digitalen Services. In den beiden technikskeptischeren Gruppen wünschen sich jeweils mehr als die Hälfte der Befragten persönlichen Kontakt zum Hörakustiker (Tech Stressed: 56 %, Offliner: 53,5 %), während digitale Services deutlich seltener gefragt sind.
Langfristig deutet vieles darauf hin, dass sich Hörakustikbetriebe auf hybride Serviceangebote einstellen müssen. Persönliches Coaching bleibt dabei zentral und wird – wo sinnvoll – durch digitale Module ergänzt. „Die demografische Entwicklung sorgt für steigende Nachfrage – Absatz ist für die Hörakustik keine Unsicherheitsgröße mehr“, sagt Sebastian Sieglerschmidt, Geschäftsführer von Alteos.
„Daraus ergeben sich jedoch zwei zentrale Herausforderungen: Eine anspruchsvollere Babyboomer-Generation erwartet individuelle Beratung und hohe Servicequalität. Gleichzeitig erhöht die wachsende Zahl an Versorgungsfällen den Druck auf bestehende Prozesse und Strukturen. Die Frage ist daher nicht, ob die Nachfrage kommt, sondern wie Betriebe ihren Qualitäts- und Serviceanspruch unter veränderten Bedingungen sichern.“ , sagt Sebastian Sieglerschmiedt, Geschäftsführer.
Die aktuellen Zahlen wurden als Update der Alteos-Studie „Wirksam versorgen – Babyboomer und Digitalisierung in der Hörakustik. Technik-Typen, Selbstwirksamkeit und Orientierung für die Boomer-Jahre“ erhoben.
Die Vollstudie liefert detaillierte Profile der identifizierten Technik-Typen, Erkenntnisse zur Selbstwirksamkeit sowie konkrete Hinweise für praxistaugliche hybride Arbeits- und Serviceprozesse.
Download des vollständigen Reports https://bit.ly/4bHrBBc